Schirmherrschaft und Grußworte

Schirmherr des Tüdelü 2021 ist unser Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Begegnen, Begeistern, Begreifen“ – so lautet das Motto des diesjährigen „Tüdelü“. Und dieses Motto zeigt schon, wie man – egal in welchem Feld – Berührungsängste untereinander am besten abbauen kann. Man trifft sich, unterhält sich, erklärt und der, die oder das Gegenüber versteht. So räumt man Missverständnisse, Vorurteile und Widerstände aus dem Weg – und das finde ich gut so. Weltweit wird die LSBTIQ*-Community leider noch nicht in allen Bereichen als begeisternd wahr genommen - sowohl was die rechtliche Dimension anbelangt, aber auch, was die Schranken in den Köpfen angeht. Dabei sollte es in einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft doch völlig unerheblich sein, wer wen wie liebt. Eine moderne und offene Gesellschaft sollte sich dadurch auszeichnen, dass jeder Mensch in seiner persönlichen Lebensführung frei ist – so lange er nicht die Freiheit des Anderen beeinträchtigt. Ich wünsche mir mehr Offenheit und mehr Miteinander und in diesem Sinne viele begeisternde Momente über Ihr Festival hinaus.

Ihr Sven Schulze

Grußwort zum Chemnitzer "Tüdelü" 2021

Es tüdelt wieder in Chemnitz und das trotz Pandemie. Ich freue mich über die wunderbaren Menschen, die es möglich gemacht haben! Ein ganz herzliches Dankeschön an den different people e.V. und die vielen helfenden Hände.

Ich finde es sehr wichtig, dass die queere Community sichtbar bleibt. Durch die Pandemie sind Orte der Begegnung rar geworden. Keine Videokonferenz kann das ersetzen, was gute Beratung und Unterstützung einzigartig macht. Die direkte Begegnung, dass in den Arm nehmen, das vertrauensvolle Gespräch in guter Atmosphäre kann die digitale Welt nicht bieten. Es ist eine fast schon kollektive Erfahrung. Sie ist jedoch wichtig, weil sie zeigt, wir können nur im gemeinsamen, direkten Dialog das respektvolle Zusammenleben stärken.

Genau dieses respektvolle Miteinander sehe ich akut gefährdet. Ich habe überhaupt kein Verständnis für den Hass und die Hetze gegen Menschen, deren Lebensmodelle so bunt und vielfältig wie das Leben selbst sind. Ich kann nicht verstehen, warum die EU nicht eingreift, wenn in anderen europäischen Ländern queere Menschen diskriminiert werden. Wir brauchen aber gar nicht so weit zu schauen. Auch in Chemnitz vertreten rechtsextreme Parteien Positionen, die diese Diskriminierung fördern. Mit dem Label „Evolution – Mutter, Vater, Kind“ versuchen sie rückwärts gerichtete Rollenbilder erneut zu etablieren. Es ist deshalb gut, dass Regenbogen- und Patchworkfamilien inzwischen zum Alltag in Deutschland gehören. Um das Erreichte zu schützen und tatsächliche Gleichbehandlung zu ermöglichen, finde ich es wichtig, dran zu bleiben und daran fest zu halten, ein Grundgesetz für alle zu beschließen.

Niemand kann sich aussuchen, welche Geschlechtlichkeit sich im Verlauf des Lebens entwickelt. Deshalb sollte endlich akzeptiert werden, dass unterschiedliche Varianten geschlechtlicher Vielfalt zu unserer Gesellschaft dazu gehören. Ich wünsche mir, dass es gar nicht mehr nötig ist, sich zu outen. Wir werden auf dem Weg zum selbstverständlichen Umgang mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität in unserer heutigen Gesellschaft viel Mut und Ausdauer brauchen. Dass es sich lohnt, zeigt das Tüdelü Chemnitz. Es ist eine der schönsten Chemnitzer Festivals für respektvolles Miteinander im öffentlichen Raum. Davon sollte es viel mehr geben. Dann würde sichtbar, dass Chemnitz einen einzigartigen Reichtum engagierter Menschen und Initiativen hat. Genau das sollten wir heute feiern. Danke an das Team des Tüdelü und alle, die für Respekt, Toleranz und Akzeptanz in dieser Stadt einstehen. Bleiben Sie mutig und bleiben Sie sichtbar, nicht nur heute! Ich wünsche ein tolles Tüdelü 2021! Ines Vorsatz, Geschäftsstelle Kommunaler Präventionsrat, Stadtverwaltung Chemnitz, Dezernat 3, Kommunale Prävention, Demokratieförderung und Bürgerbeteiligung